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Ausbaupfade für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien: Zur Bedeutung der jährlichen Zubauraten vor dem Hintergrund der Ausbau- und Klimaschutzziele in Deutschland

Sven Bode und Helmuth-M. Groscurth

arrhenius Discussion Paper 13, Hamburg, April 2014

Zusammenfassung

  Es gibt in Deutschland ein Ziel für den Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis 2050, das im Rahmen der aktuellen EEG-Reform durch die Bundesregierung bestätigt und mit Blick auf Zwischenziele und Zubauraten für einzelne Technologien konkreti-siert wurde.

Die Ausbauziele sind bislang ausschließlich als Anteile an der Stromerzeugung definiert. Daher ist es nicht möglich, ohne weiteres die aus erneuerbaren Energien zu produzierenden Strommenge und die dazu erforderlichen Anlagenkapazitäten zu bestimmen. Vielmehr erfor-dert dies zusätzliche Annahmen, unter anderem über den erwarteten Strombedarf. Basierend auf zwei Szenarien mit einem Strombedarf in Höhe von 500 TWh/a und 800 TWh/a (letzteres getrieben durch den Einsatz von Strom im Wärme- und Verkehrssektor zur Erreichung des Klimaschutzziels für 2050) untersucht die vorliegende Studie die Wirkung von Zubauraten auf die Ausbauziele. Leitkriterium ist dabei das hier neu entwickelte Konzept des „idealen Zubaus“. Dieser Ansatz postuliert, dass der Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien idealerweise mit konstanten Zubauraten (im Sinne von jährlich gleichbleibender Kapazität neu zu errichtender Anlagen) erfolgen sollte. Der ideale Zubau wird dabei definiert als Quotient von im Zieljahr zu erreichender installierter Leistung dividiert durch die Lebensdauer der Anlagen.

Ein solcher Pfad wäre sowohl für Stromverbraucher als auch Anlagenbetreiber vorteilhaft, da auf diese Weise sowohl überhöhte Gesamtkapazitäten als auch Zyklen bei den jährlichen Zubauraten vermieden werden können.

Maßgeblich ist dabei, dass Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien – wie auch konventionelle Kraftwerke – begrenzte Lebensdauern haben. Bis zum Zieljahr 2050 müssen – bei unterstellten Lebensdauern von 20 bis 30 Jahren – alle bis heute errichteten Anlagen noch einmal ersetzt und zusätzlich weitere Anlagen errichtet werden. Nachdem das Ausbauziel erreicht wurde, stellt sich dagegen ein Gleichgewichtszustand ein, in dem nur noch die abgehenden Altanlagen ersetzt werden müssen.

Das vorgestellte Konzept des idealen Zubaus gibt Politikern und Planern erstmals ein In-strumentarium an die Hand, um den Ausbaupfad für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien dauerhaft sinnvoll zu steuern. Dies ist notwendig, da sich Anlagen zur Stromerzeu-gung aus erneuerbaren Energien – nach weit verbreiteter Meinung – bei hohen Marktanteilen, wie sie in Deutschland angestrebt werden, nicht ohne zusätzliche, staatlich organisierte Zahlungsströme neben den Erlösen aus dem reinen Stromverkauf durchsetzen werden.

Die Analyse des Ausbauziels und der Zubauraten nach dem EEG-Reformverschlag der Bundesregierung unter Berücksichtigung des historischen Zubaus zeigt, dass die Zubauraten für nächsten 10 bis 15 Jahre sinnvoll gewählt sind und ein späteres Nachjustieren auf dann für 2050 gewünschte bzw. erwartete Stromanteile erlauben.