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Grundlagenstudie „Erneuerbare Energien in Hamburg“

Helmuth-M. Groscurth

Studie im Auftrag der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt der Freien und Hansestadt Hamburg, Hamburg, 2005

Zusammenfassung für Entscheidungsträger

Hamburg hat die Chance, ein internationales wirtschaftliches Zentrum für erneuerbare Energien zu werden. Die Voraussetzungen für eine solche Rolle sind:

  • Kristallisationskeime, d.h. eine ausreichende Zahl von Unternehmen, die bereits auf diesem Gebiet tätig sind;
  • eine Forschung- und Entwicklungsinfrastruktur, die den Unternehmen Ideen für Produktund Prozeßinnovationen liefert, und ihnen hilft, aktuelle Probleme zu lösen;
  • etablierte Netzwerke aus großen und kleinen Unternehmen sowie Forschung und Entwicklung, die sich gegenseitig befruchten und Lieferbeziehungen mit kurzen Wegen eingehen können;
  • eine internationale Infrastruktur;
  • internationale Handelsbeziehungen;
  • politische Unterstützung durch die Führung der Stadt;
  • lokale Referenzanwendungen und lokale Ziele, die das Vertrauen in die Entwicklung widerspiegeln.

Eine Reihe dieser Voraussetzungen sind in Hamburg bereits auf hervorragende Weise erfüllt. So gibt es in der Stadt mittlerweile rund 240 Unternehmen, die auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien tätig sind. Die Firmen beschäftigten 2004 in diesem Geschäftsbereich mehr als 1.000 Mitarbeiter und setzten rund 1,4 Mrd. Euro um, wobei jeweils mehr als 90% auf die zehn größten Betriebe entfielen. Das Umsatzwachstum lag im Mittel bei 30% pro Jahr. Am stärksten vertreten sind in Hamburg und seiner näheren Umgebung die Windenergiebranche und Photovoltaik-Unternehmen. Auch die wirtschaftlichen Aktivitäten zur energetischen Nutzung von Holz entwickeln sich dynamisch.

Die Stärken Hamburgs liegen vor allem im erweiterten Dienstleistungsbereich, d.h. etwa der Planung, Entwicklung, Zertifizierung und Finanzierung sowie der Konzernsteuerung. Dennoch gibt es auch in Hamburg erhebliche Potentiale, um die Anwendung regenerativer Energien auszuweiten. Aus Sicht des Senates macht es dabei besonders Sinn, die Errichtung von Pilotanlagen durch ortsansässige Firmen an prominenten Standorten zu befördern, weil diese als Referenzobjekte dienen können.

Unternehmen wie Anwender würden davon profitieren, wenn das Netzwerk zu erneuerbaren Energien in Hamburg ausgebaut und optimiert würde. Die bisherigen Aktivitäten der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt bieten dafür gute Voraussetzungen. Mit ihren Initiativen „Arbeit und Klimaschutz“ sowie „Unternehmen und Ressourcenschutz“, der von ihr finanzierten Beratungseinrichtung „Hamburger Solarzentrum“ und der von ihr mit ins Leben gerufenen Wissenstransfer-Einrichtung „ZEBAU“ ist sie bereits gut aufgestellt. Ergänzend könnten eine Biomasse-Koordinierungsstelle sowie regelmäßige, informelle Treffen nach dem Vorbild des Windenergiestammtisches hinzukommen. Teil einer intensiveren Vernetzung könnte es auch sein, für kleine und mittlere Unternehmen der Branche einen gemeinsamen Standort mit Büro-, Logistik- und Produktionsflächen zu schaffen. Ein solches Zentrum wäre auch für Zulieferer interessant, deren verstärkte Ansiedlung in der näheren Umgebung sich die Unternehmen mit geringer Fertigungstiefe wünschen.

Ein wichtiger Baustein für eine langfristig stabile Entwicklung der Branche ist deren Internationalisierung, da künftige Märkte überwiegend in den sonnen- und windreichen Regionen der Erde zu finden sein werden. Auf Grund seiner internationalen Infrastruktur und seiner Handelsbeziehungen eignet sich Hamburg in besonderer Weise als Ausgangspunkt für die Erschließung solcher Märkte. Es wird als sehr wichtig angesehen, daß sich die Unternehmen dabei der Unterstützung durch ihre politischen Repräsentanten gewiß sein können.

Die erneuerbaren Energien sollten nicht isoliert, sondern stets in Zusammenhang mit der effizienten Nutzung von Energie und anderen neuen Energietechniken wie Brennstoffzellen und Wasserstoff gesehen werden. Um dies zu gewährleisten, wird vorgeschlagen, die Funktion eines „Koordinators Energietechnik in Hamburg“ einzurichten.

Um den Informationsstand möglicher Anwender von regenerativen Energien in privaten Haushalten und Unternehmen in Hamburg zu verbessern, sollte eine PR-Kampagne mit den Schwerpunkten Solarthermie, Photovoltaik und Holzheizung gestartet werden. Dies kann durch einen auf Hamburg zugeschnittenen Internet-Auftritt ergänzt werden, in dem Informationen zu den einzelnen Techniken angeboten werden und in dem sich auch die einschlägigen Firmen präsentieren können.

Von den befragten Unternehmen wurde immer wieder betont, daß zu einem erfolgreichen Standort auch eine entsprechende Forschungs- und Entwicklungsinfrastruktur gehört. Diese hilft den Unternehmen, Ideen zu generieren und Probleme zu lösen. Außerdem sorgt sie für einen gut ausgebildeten Nachwuchs, der schon frühzeitig im Rahmen von Praktika und Studienarbeiten an die Betriebe gebunden werden kann. Ausbaufähige Kapazitäten gibt es an den Hamburger Hochschulen besonders in den Bereichen „Einbindung erneuerbarer Energien beim Bauen und Sanieren“ sowie Windenergie und Biomasse.

Für viele der beschriebenen Aktivitäten eignet sich das Modell der Public-Private-Partnership in hervorragender Weise, bei dem sich öffentliche Hand und private Unternehmen die Kosten von Modellvorhaben und Infrastrukturmaßnahmen teilen.