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Zur Wirtschaftlichkeit von Kohlekraftwerken

Helmuth-M. Groscurth

Studie im Auftrag der "Wirtschaftswissenschaftler/innen gegen das gegen das Kohlekraftwerke Mainz" mit finanzieller Unterstützung der European Climate Foundation (ECF), Hamburg, Mai 2009

Zusammenfassung

Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG plant den Bau eines steinkohle-gefeuerten Heizkraftwerks mit einer elektrischen Bruttoleistung von rund 820 MW. Sie will dafür rund 1,3 Mrd. Euro investieren.

Diese Studie zeigt auf, dass die Wirtschaftlichkeit einer solchen Investition durch eine Reihe von Faktoren bedroht wird:

  • Die Vielzahl im Bau oder in Planung befindlicher neuer Kraftwerke wird den Strompreis senken, da die neuen Kraftwerke geringere Grenzkosten haben als die bestehenden Anlagen. Dadurch verringern sich die Erlöse aller Kraftwerke.
  • Die Entwicklung im Jahr 2008 hat gezeigt, dass in den nächsten Jahren – nach Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise – mit stark steigenden Brennstoffpreisen zu rechnen ist. Dabei kann der Steinkohlepreis wie in 2008 stärker steigen als der Gaspreis. Als Folge erhöhen sich die Betriebskosten eines Kohlekraftwerks stärker als dessen Erlöse.
  • Der Ausbau der erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung verringert mittel- und langfristig die Auslastung konventioneller Kraftwerke. Dies wirkt sich zunächst unmittelbar auf die Erlöse aus. Es erfordert aber auch eine flexible Fahrweise für konventionelle Anlagen, die für Kohlekraftwerke nur schwer zu realisieren ist. 
  • Viele Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien haben Grenzkosten von Null. Durch den starken Ausbau der erneuerbaren Energien wird der Strompreis in vielen Stunden gedrückt. Dies ist ein weiterer Effekt, der die Erlöse von Kohlekraftwerken vermindert.
  • Die mit Abstand größte wirtschaftliche Bedrohung für Kohlekraftwerke ergibt sich jedoch aus den klimapolitischen Vorgaben. Die mittel- und langfristigen Klimaschutzziele erfordern es, die mittleren spezifischen CO2-Emissionen der Stromerzeugung von derzeit 600 g/kWh bis 2020 auf rund 450 g/kWh und bis 2050 mindestens auf 150 g/kWh zu senken. Dies wird mit den bisher absehbaren Investitionen nicht erreicht werden, im Gegenteil, die derzeit geplanten Investitionen stellen die Erreichbarkeit dieser Ziele in Frage. Daher wird der CO2-Preis solange steigen, bis das Emissionsbudget eingehalten wird. Der Bau von neuen Kohlekraftwerken heute wird die Gesellschaft mittelfristig vor die Wahl stellen, diese Kraftwerke vorzeitig außer Betrieb zu nehmen oder aber die Klimaschutzziele aufzugeben.  

Der Bau von Kohlekraftwerken führt zu steigenden CO2-Preisen und damit auch zu höheren Strompreisen. Kohlekraftwerke garantieren somit nicht langfristig bezahlbare Strompreise für die Verbraucher, sondern führen zu erheblichen zusätzlichen wirtschaftlichen Risiken. 

In Abwägung der Chancen und Risiken ist einem kommunalen Investor sowohl aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen als auch vor dem Hintergrund der Klimaschutzpolitik vom Bau eines Kohlekraftwerks abzuraten.